Warum das #WeTab besser ist als sein Ruf

Ja, ich habe mir vor einiger Zeit jetzt nen WePad gekauft. Ich kannte die ganzen schlechten Meinungen über das WePad, habe es mir dennoch aufgrund einiger positiver Berichte (z.B. den von CNET) aber auch der Offenheit des Systems (und damit der Möglichkeit nen anderes Betriebssystem aufzuspielen, falls es mir doch nicht gefallen sollte) gekauft. Zum anderen hab ich die 3G Variante auch bei Karstadt für unter 400€ gekriegt. Anmerkung: Amazon hat sie auch grade für 399€.

Vorweg: Jeder der meint ein WePad mit einem IPad vergleichen zu müssen, sollte an dieser Stelle aufhören weiterzulesen. Das WePad ist kein IPad-Killer und sollte auch nicht als solcher betrachtet werden! Die Welten sind 2 völlig verschiedene, die sich nur schwer vergleichen lassen. Jemand der ein fertiges System haben möchte und möglichst auch nicht über den Tellerand seine Suppe auffangen will, der ist mit einem IPad eindeutig besser beraten. Bei einem WeTab muss man einen kleinen Bastler in sich mitbringen (na gut, muss man nicht, aber dann macht es eindeutig mehr Spaß). Das WeTab wirkt an manchen Stellen auch noch unfertig, allerdings ist die Firma 4tittoo gut dabei Fehler zu beheben. Im Hintergrund des Systems werkelt ein Linux, dass man via einer normalen Shell bedienen und verändern kann. (Daher sind Linux Kentnisse zum basteln gut, aber kein muss).

Jemand verglich sogar mal das WeTab mit einem Welpen, den man erst Stubenrein bekommen muss.

Eindruck

Die Verpackung ist ganz unscheinbar. Ein weißer Karton. In diesem befindet sich das WePad, ein Akku Ladegerät, eine Schutzhüller für das WeTab und ein Mikrofaser Tuch zum Reinigen. Ebenfalls findet sich eine „Kurz“-Anleitung im Paket. Diese ist allerdings sehr kurz. Sie beschreibt eigentlich nur wie man das Gerät anschaltet. Hinterher stellt man allerdings fest, dass man auch tatsächlich nicht mehr brauch. Während des ersten Startens erklärt sich das Gerät selber. Das Interface ist sehr intuitiv zu bedienen und man brauch keine großen Anleitungen. Die Idee mit den Scrollbars an der Seite ist sehr nett und mal etwas außergewöhnliches. 

Wenn man ein Linux System gewohnt ist, wird man immer wieder Programme oder Interfaces wieder erkennen, die auch auf einem Linux Desktop vorhanden sind. So ist z.B. als Musik Player das Programm „Banshee“ installiert.

Das Tab selber hat eine durchgehende Glas Oberfläche auf der Vorderseite und ist hinten mit matten Klavierlack überzogen. Dadurch wirkt das WeTab hochwertiger. An der Seite finden sich Anschlüsse für USB, HDMI, Kopfhörer und Strom. Ebenso wie ein Steckplatz für SIM Karten (nur 3G Version) und einem SD Karten Lesegerät.

Das WeTab selber besitzt einen Lüfter (was an der Architektur geschuldet ist) den man allerdings so gut wie gar nicht wahrnimmt. (Aktiv gehört, hab ich ihn nur in einem total Stillen Raum als ich die CPU grad ma mehr belastet hab. Im Zug oder bei Musik/Filme merkt man ihn gar nicht.) Der Lüfter in meinem Laptop ist auch nicht leiser.

Tests

Betriebssystem:
Im Hintergrund werkelt ein MeeGo mit einer XFCE Oberfläche. Als Paketmanager wird yum eingesetzt. Die derzeit Stabile OS-Version ist 2.1.2.
Ein großer Plus Punkt ist aufjedenfall das schnelle Starten des Betriebssystems. (Gemessen: 5 Sekunden nach Drücken des Einschalters bis Interface geladen und Programme startbar).
An der rechten seite findet sich eine große Scrollbar zum Scrollen durch das Hauptmenü, neben Tasten für Einstellungen oder geöffneter Fenster. Dadurch ist alles was man sucht sehr schnell und übersichtlich erreichbar.

Flash:
Das WeTab bringt einen eigenen GPU Chip mit, der für rechenintensives helfen soll. Leider kann Flash darauf noch nicht zugreifen. Seit Version 10.2 von Flash soll diese Unterstützung eingebaut sein, derzeit soll sich diese Version aber im internen QA von 4tittoo befinden. Dadurch ist zwar Flash auf dem Gerät möglich, allerdings noch sehr langsam… und den Akku sieht man auch weinen.

Akku Laufzeit:
Ich komme bei meinem Gerät auf eine Laufzeit zwischen 4 und 5 Stunden, bei normaler Nutzung (Videos, Internet, UMTS). Dies ist zwar nicht viel, für Bus und Bahn reicht es aber allemal.

Mobiles Internet:
Das WeTab 3G bietet die Möglichkeit auch via UMTS ins Internet zu gehen. Dies ist für einen Bahnfahrer durchaus interessant um unterwegs Email abzurufen oder Nachrichten zu lesen. Getestet habe ich die Funktion mit einer Prepaid SIM der Marke COSMO Mobile, da ich hier die Netzabdeckung von meinem Firmen Handy kannte und daher die Qualität des Modems besser beurteilen konnte. Ich kann daher sagen, dass die Anbindung die ich hatte nicht schlechter war als mit meinem Handy (HTC) sondern sogar besser. Da wo mein Handy kein UMTS hatte, besaß das WeTab noch eine Verbindung. (Jetzt kann man natürlich sagen, das WeTab ist größer und hat mehr Platz für ne Antenne, aber bei Tests mit Notebooks ist mir aufgefallen, dass mehr Platz nicht immer bedeutet, dass man gute oder überhaupt eine Antennen einbaut.)

Videos:
Selbst „Full-„HD Videos laufen tatsächlich ruckelfrei auf dem Gerät. Also geeignet um unterwegs etwas filme zu gucken ;). Getestet habe ich es u.a. mit der 1080p Version von Big Buck Bunny ;).

Touchescreen:
Also hier ist das Gerät ein bisschen paradox. Auf der einen Seite schaffe ich es besser als von jedem mir bisher getetesten Gerät die richtige Stelle in einem Textfeld auszuwählen. Also ein Super Merkmal. Auf der anderen Seite ist es manchmal echt schwer bei AdobeAIR Apps oder auf Websites kleinere Knöpfe zu treffen. Es mag hier aber an der Software liegen und nicht am Touchescreen selber. Der Touchescreen selbst reagiert hier sehr zügig und ohne große Aussetzer.

Bildschirm Tastatur:
Lange Texte drauf schreiben ist ein Krampf (da Buttons doch etwas weit auseinander sind)… Aber für kurze Texte/Brwosing und etwas Chatten reicht es vollkommen aus.

Display:
Das Display ist sehr Blickwinkel abhängig. Für mich persönlich reicht der Radius aber vollkommen und ich empfand ihn auch nicht störend etc. Das Bild selber sieht nicht unscharf aus, hat keine Pixelfehler und auch sonst keine erkennbaren Fehler.

Architektur

Das WePad, bzw. „Lucid Tablet PC“ (dies ist der eigentliche Name der Hardware und findet sich auch in anderen Geräten wie z.B. dem exoPC) ist prinzippiel eine Standart PC Archiktur. Aufgrund dieser Tatsache ist es möglich andere Betriebssysteme zu installieren. Man benötigt nur ggf. Treiber für Touchescreen & Co. Dies kommt der offenen Platform die man schaffen wollte sehr zugute, da man nicht an ein Betriebssystem (auch wenn es OpenSource ist) gebunden ist, sondern eine Freie Auswahl hat.

Kritik

Eindeutiger Kritikpunkt ist die geringe Auswahl an Programmen. Derzeit befinden sich nur sehr wenige im Market und man muss sich z.B. über die Linux Konsole aushelfen. Allerdings wurde hier versprochen, dass sich das bald ändert (Der Android Store und der WeTab Market for Developer sollen beide diesen Monat auf dem Gerät veröffentlicht werden).

Die Akkulaufzeit ist mit 4-5 Stunden natürlich nicht so gut wie manch andere Geräte, für mich persönlich reicht sie dennoch aus. (Bei einem Vergleich mit meinem Smartphone musste ich auch feststellen, dass dieses auch nicht viel länger bei aktiver Benutzung durchhält. Der Vorteil ist hier das schnelle Starten, wodurch man das Pad auch durchaus abschalten kann wenn man es jetzt länger nicht nutzt.)

Fazit

Also ich würde das Tablet weiterempfehlen! Für den Preis erhält man eine Super Hardware (die Software ist noch nicht ganz so super, aber auf einen guten Weg dahin) auf einer offenen Plattform. Sollte einem die Software missfallen oder den Ansprüchen nicht genügen, ist es jederzeit möglich ein anderes Betriebssystem zu installieren (Für Windows 7 und Ubuntu finden sich jede Menge Anleitungen).

Wer keine hohen Anforderungen mitbringt wie z.B. nur Internet surfen, etwas Chatten und vielleicht ab und zu mal ein Video wird mit einem WeTab sehr gut bedient. Das Gerät eignet sich dafür hervorragend, da es bereits alles wichtige dafür mitbringt und im Vergleich mit anderen Tablets einen inzw. guten Preis liefert. Für Bastler oder Linux Entwickler ist das WeTab auch gut geeignet, vorallem letztere können so Programme auch auf dem Gerät testen und so für einen „neuen“ Markt testen. Da Tablets sich langsam durchsetzen, wird es immer mehr Programme dafür geben. Ich persönliche möchte aber weder Objective C (iOS) oder Java (Android) lernen.

Das einzige was der Hersteller unbedingt liefern sollte ist der MeeGo und der Android Store um wenigstens die Programmvielfalt zu erhöhen, aber auch um die Verbreitung der Programme zu verbessern.

Am Ende lässt sich sagen, dass das WeTab einen schlechten Start hatte und besser ein paar Monate später veröffentlicht worden wäre. „Denn ist der Ruf einmal hinüber, …“
Wenn man das Tablet aber ohne Vorurteile begnetet und nicht auf eine große AppAuswahl schwört ist es super.

Ebenso konnte ich kaum Kritiken die z.B. bei Amazon geschrieben wurden nachvollziehen. Klar das Tab ist nicht perfekt und ich würde ihm eine 3+ bis 2- geben, aber es hat jede Menge Potenzial.

Ich denke es wird demnächst mehr zum WePad hier auf dem Blog geben ;). Wenn ihr noch Fragen habt oder ich etwas vergessen hab zu testen, schreibt mir doch bitte in den Kommentaren.

Als nächstes werd ich auch mal alternative Betriebssysteme (z.B. YaWOS oder Android) testen und hier meine Erfahrungen posten.